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Natur - und Erlebniszentrum Heimkehle

Einheitsgemeinde Südharz, den 01.06.2018

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Natur-und Erlebniszentrum an der Höhle Heimkehle

Geplante Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität und für das Schutzgebietssystem Natura 2000

Die Höhle "Heimkehle" befindet sich im FFH Gebiet "Alter Stolberg und Heimkehle im Südharz" in der Gemeinde Südharz, im Westen des Land Sachsen-Anhalt (Landkreis Mansfeld-Südharz) sowie an der Landesgrenze zu Thüringen in der Gemeinde Urbach (Landkreis Nordhausen).

Sie wurde erstmals 1357 urkundlich erwähnt. Mit über 2.000 m Gesamtlänge gehört die Schauhöhle zu den größten von etwa 200 bekannten Höhlen der Südharzer Karstlandschaft. Der für die Besucher zugängliche Teil in Sachsen-Anhalt ist ca. 500 m lang.

Die touristische Erschließung erfolgte 1920 unter Theodor Wienrich. 1944 bauten die Junkerswerke aus Dessau einen Rüstungsbetrieb im Schauhöhlenbereich aus, welcher mit 1.500 Häftlingen des KZ-Nebenlagers Dora betrieben wurde.

Am 04.04.1945 erfolgte der Evakuierungsbefehl mit dem Todesmarsch der Häftlinge bis Gardelegen, welchen nur 22 Häftlinge überlebten. 1946 sprengte man die Rüstungseinbauten und die Zugänge zur Höhle. Am 25.04.1954 wurde die Schauhöhle wiedereröffnet, am 17.07.1957 gab es bereits den 300.000. Besucher. Zwischen 1980 und 1989 schwankten die Besucherzahlen zwischen 80.000 und 90.000 Besuchern. In den Folgejahren waren es nur noch 17.000 bis 19.000 Besucher. Aufgrund von Verbruchereignissen im Jahr 2004 ist der Rundweg nicht mehr nutzbar.

 

Ein Denkmal im "Kleinen Dom" erinnert an die Zeit der Gewaltherrschaft. Aus Gründen des Artenschutzes wird die Anzahl der Besucher in der Zeit vom 15.10 bis 31.03. eines jeden Jahres auf max. 60 Personen pro Höhlenführung begrenzt. In diesem Zeitraum ist der Thüringer Teil des Führungsweges aus Gründen des Fledermausschutzes gesperrt.

 

Bei der Heimkehle handelt es sich um eine aktive Laughöhle im Sulfatkarst, die durch ihre großen Hallen charakterisiert ist. Eindrucksvoll ist der Natureingang mit über 50 m Spannweite. Den größten bekannten Hohlraumbereich bildet der "Große Dom" mit einer Deckenhöhe bis zu 22 m und einem Durchmesser von 65 m. Die Höhle besitzt eine ausgeprägte mikroklimatische Diversität, die durch die natürliche Bewetterung des Systems entsteht. Die aus dem Höhlenwetter entstehende mikroklimatische Diversität ist eine Grundvoraussetzung für die Nutzung der Höhle durch verschiedene Fledermausarten mit spezifischen Ansprüchen an Temperatur und Luftfeuchte.

Die Heimkehle kann auf eine lange, wechselvolle Nutzungsgeschichte zurückblicken, in der die große und artenreichste Fledermauspopulation von 1920 bis Ende der 1980er Jahre geduldet und auch beeinträchtigt wurde und während der Rüstungszeit von der Nutzung als Winterquartier ausgeschlossen war. Die Installation einer Laser-Schau-Anlage im Jahr 1992 im Großen Dom war nicht fledermausfreundlich und wurde 2013 durch eine Licht-Schau ersetzt. Aspekte des Naturschutzes, insbesondere des Fledermausschutzes, fanden erst in den letzten 10 Jahren Berücksichtigung.

 

Bereits seit mehreren Jahren bemüht sich die Gemeinde Südharz daher um Fördermittel gemäß der Richtlinien zur Förderung von Naturschutz-und Landschaftspflegeprojekten mit dem Ziel:

 

  • Schutz und Erhaltung des Lebensraumtypes "Höhle"

  • Schutz und Erhaltung des weiträumig größten Fledermaus-Felswinterquartiers Heimkehle

    in den FFH -Gebieten "Alter Stolberg und Heimkehle im Südharz" und "Reesberg"(Thüringen), im Naturschutzgebiet "Gipskarstlandschaft Heimkehle"

  • Erhalt der größten, aktiven Sulfatkarsthöhle am Südharzrand

  • Pflege und Erhaltung der Mahn-und Gedenkstätte

  • Entwicklung der Heimkehle als Umweltbildungszentrum/Öffentlichkeitsarbeit

 

Im November erhielt die Gemeinde Südharz zwei Zuwendungsbescheide, welche insgesamt zu 100 % aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und des Landes Sachsen-Anhalt aus dem Schwerpunktbereich-Schutzgebietssystem Natura 2000 -Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität - finanziert werden.

So sind gemäß Antragstellung und des ersten Zuwendungsbescheides folgende Projekte vorgesehen:

 

1. Natur-und Erlebniszentrum Heimkehle-Neubau eines Informationszentrums

Mit dem Neubau eines Informationsgebäudes soll das Umweltbewusstsein im Zusammenhang mit dem europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 gefördert werden. Es soll im Zeitraum 01.03.2018 - 31.08.2020 errichtet werden. Die zukünftige Nutzung im eingeschossigen und barrierefreien Gebäude sieht einen Ausstellungsraum für Dauerausstellungen zu naturschutzrelevanten Themen im Zusammenhang mit Natura 2000 und der Biodiversitätsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt sowie einen Schulungsraum vor, in welchem Dokumentarfilme zur Förderung des Umweltbewusstseins gezeigt werden sollen.

Für die Jahre 2018 - 2020 sind insgesamt 1.093.856,80 € als Zuwendungen bewilligt worden.

 

2. Natur-und Erlebniszentrum Heimkehle - Höhle und Außenbereich

Hier wurde ebenfalls für den Durchführungszeitraum von 2018 - 2020 eine Zuwendung in Höhe von 1.072.138,46 € für den Schutz und die Erhaltung des Lebensraumtypes "Höhle" und die Entwicklung der Heimkehle als Umweltbildungszentrum gewährt.

Die Zuwendungen sind für folgende Arbeiten geplant:

 

  • Sicherungs- und Sanierungsarbeiten am Ein-/Ausgangsstollen und in der Höhle

  • Neuausrichtung der Höhlenbeleuchtung als indirekte Beleuchtung

  • Austausch der elektrischen Anlagen mit Umstellung der Höhlenbeleuchtung auf LED -Leuchtmittel mit "Kaltlicht" ohne störende Geräuschemission

  • Einbau einer Licht - Tonschau im Großen Dom unter Berücksichtigung des Natur- und Höhlenschutzes

  • multimediale Neugestaltung der Ausstellungen

  • Abriss leerstehender Gebäude, welche als Unterschlupf von Fressfeinden der Fledermäuse genutzt werden

  • Anlegung eines "Natur- und Spielerlebnisbereiches" in der Außenanlage

     

    Zur nachhaltigen Umweltbildung soll im Außenbereich ein großflächiger Natur- und Spielerlebnisbereich entstehen, bei dessen Gestaltung Bezugspunkte zur regionalen Vegetation im Karstgebiet geschaffen werden sollen. Umfangreiche Infostände und Beobachtungsmöglichkeiten sollen integriert werden (z.B. Nistplätze, Lebensräume für Insekten). Die Kombination von Wissensdurst, Bewegungsdrang und Neugier soll mit Hilfe von natürlichen Formen und Objekten in den Freiraum rund um die Höhle zum Verweilen einladen.

     

    Zur Gewährleistung einer ökologisch und naturschutzfachlich sachgerechten Abwicklung ist eine ökologische Baubegleitung durch das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz, die Landesreferenzstelle für Fledermausschutz und die Untere Naturschutzbehörde Mansfeld-Südharz für beide Maßnahmen vorgesehen.

     

    Mit der Errichtung des neuen Erlebniszentrums wird ein entscheidender Beitrag zur nachhaltigen Umweltbildung geleistet, in dem Vorführ- und Beobachtungsszenarien zu den Karsterscheinungen sowie zur Fledermauspopulation veranschaulicht werden. Damit wird einerseits die Schutzwürdigkeit der Fledermausarten vermittelt, als auch die Schönheit und die Besonderheiten der Gipskarstlandschaft und seiner Höhle herausgehoben.

     

    Die Landesreferenzstelle Fledermäuse Sachsen-Anhalt unterstützt das geplante Vorhaben. Die Höhle soll zu einem fledermausfreundlichen naturtouristischen Anlaufpunkt in Übereinstimmung mit den Erhaltungszielen der NSG-Verordnung und der FFH Gebiete entwickelt werden. Dabei ermöglicht die geografische Lage der Heimkehle an der Grenze der Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen eine länderübergreifende Umweltbildung im Südharz-Karstgebiet und im Landschaftsschutzgebiet .