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Roßla

Schloss

Die Gemeinde Roßla liegt im westlichen Teil des Landkreises. Die Gemarkung von Roßla breitet sich in der Helmeniederung aus, einer fruchtbaren Ebene, Goldene Aue genannt, zwischen Harz und Kyffhäuser gelegen. In Ost-West-Richtung führt die B 80 durch Roßla. Die Anbindung an die geplante Autobahn A 38 wird sich perspektivisch gesehen positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes auswirken.

An der Hauptstraße stehen einige spätklassizistische Wohnhäuser und das Eingangstor der früheren Zuckerfabrik. Das dahinter befindliche Fabrikgebäude wurde restauriert und zur "Rosspassage" mit Einkaufsmärkten, Geschäften und Büroräumen umgestaltet.

An der Abzweigung nach Kelbra befindet sich das Zeughaus, dass bereits 1718 bis 1720 für die damalige Miliz der Grafschaft als Waffenlager gebaut wurde. Später diente dieses Gebäude als "Höhere Lehranstalt". Das gegenüberliegende frühere Gräfliche Polizeibüro wurde von einem Schüler des bekannten Architekten Schinkel entworfen und ab 1826 gebaut.

Die nächste abzweigende Straße führt zunächst zum früheren Gemeindegasthof, ein spätbarocker, zweigeschossiger Putzbau mit übergiebelten Mittelrisalit und zum Pfarrhaus, welches im Jahr 1900 errichtet wurde. Die heutige Kirche St. Trinitatis wurde im neugotischen Stil 1868 - 1873 erbaut.

Vom Kirchplatz aus erblickt man das Schloss. Der klassizistische Bau entstand 1827 bis 1831. Heute werden die Räumlichkeiten für Veranstaltungen jeglicher Art genutzt. Des weiteren sind die Bibliothek, das Standesamt und der Freizeittreff untergebracht. Der Roßlaer Männergesangsverein probt ebenfalls in diesen Räumlichkeiten. Über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde der Turm des Schlosses originalgetreu wiederhergestellt. Eine neu vergoldete Wetterfahne dreht sich ebenfalls über dem Schloss. Östlich des Schlosses befindet sich das Palais, dass Ende des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde. Heute ist in diesem Haus die Kindertagesstätte untergebracht.

Einige Meter südlich liegt der Riethgarten mit zum Teil seltenen Gewächsen und Bäumen. An der Hauptstraße weiter in östlicher Richtung erhebt sich das Marienstift, ehemals ein Krankenhaus. 1985 wurde hier ein Alters- und Pflegeheim eingerichtet. Gebildet wurde das "Marienstift" aus dem Vermächtnis der Gräfin Marie zu Stolberg-Roßla (1859 - 1880), der ersten Gemahlin des Fürsten Botho. Das Stift steht unter kirchlicher Verwaltung.

Urkundlich erwähnt wird Roßla erstmals am 15. September 996, als Kaiser Otto III. Roßla dem Kloster St. Kilians Zelle im Bistum Würzburg schenkt. Der Ortsname "Roßla" besagt, dass das Dorf in oder an Wiesen- bzw. Rasenflächen (altmhdt. ros), die an einem Sumpfrieth (la-laha = Lache) gelegen sind, gegründet wurde. Im früheren Mittelalter schrieb man daher auch "Rosla".

Die Umgebung von Roßla ist seit Jahrtausenden durch menschliche Besiedlung geprägt worden. Das südlich der alten Heerstraße Nordhausen-Sangerhausen gelegene Unterdorf dürfte als der älteste Teil von Roßla anzusehen sein. Der Kern des damaligen Ortes, eine Wasserburg, die sich an der Stelle des heutigen Schlosses erhob, wurde erstmals 1361 urkundlich genannt, ist aber wohl älteren Datums. Schon ab 1362 wird sie Wohnsitz eines Stolberger Grafen. Im Dorf bestanden außer dem gräflichen Vorwerk, das zur Versorgung der Burgbesatzung diente (es befand sich an der Stelle der heutigen Kirche), noch drei Rittergüter. Auf einem derselben wohnten vom 12. bis 14. Jh. die Ritter "von Rosla". 1492 wird Roßla in einer Urkunde als "Flecken" bezeichnet, Schultheiß und Ratsmeister werden erwähnt. Von 1568 bis 1650 war die Burg, das Dorf und das gesamte Amt Roßla durch die Grafen von Stolberg an die aus Hessen stammenden Herren von Berlepsch verpfändet worden.

Um die Rückgabe entspann sich ein fast 30 Jahre dauernder Gerichtsprozess, der erst 1678 durch das Hofgericht des obersächsischen Kreises in Leipzig beendet wurde. 1706 wurde Roßla Residenzort, als mit Graf Jost-Christian I. die neu gegründete Linie der Grafen zu Stolberg-Roßla ihren Hauptwohnsitz im Schloss nahm, und Mittelpunkt der unter kursächsischer Oberhoheit stehenden gleichnamigen Grafschaft (Fläche 193 km2 mit 13.000 Bewohnern). Diese Linie teilte sich nach dem Ableben des Gründers in die Zweige Stolberg-Roßla (Graf Friedrich-Botho) und Stolberg-Ortenberg (Graf Johann-Martin II.). Als erstere 1826 mit dem Grafen Wilhelm ausstarb, fiel die Grafschaft an den Zweig Stolberg-Ortenberg und dessen Haupt, der Graf August nahm seinen Hauptwohnsitz auf der Wasserburg Roßla, dessen Umbau er veranlasste. 1893 wurde der reg. Graf Botho zu Stolberg-Roßla von Kaiser Wilhelm II. in den erblichen Fürstenstand mit dem Prädikat "Durchlaucht" erhoben. Zu Beginn des 19. Jh. wurde Roßla Sitz eines Amtsgerichts, einer Katasterstation, eines Postamtes mit Telegraphenstation und eines Konsistoriums, welches heute noch besteht.

Am 12. April 1945 rückten US-amerikanische Truppen in den Kreis Sangerhausen ein, die am 30. Juni 1945 wieder abzogen. Dafür kamen am 2. Juli 1945 sowjetische Streitkräfte in das Gebiet. Fürst Christoph-Martin musste das Schloss verlassen (dort richtete sich die Dorfkommandantur ein) und Wohnung im Verwaltungsgebäude der Fürstlichen Domäne nehmen.

Im September 1945 erließ die eingesetzte Provinzialregierung von Sachsen-Anhalt eine Verordnung über die Durchführung einer Bodenreform, infolgedessen wurden 8.332 ha Land des Fürsten ohne eine Entschädigung enteignet, der daraufhin noch im Herbst 1945 Roßla verlassen musste.

Bis weit ins vorige Jahrhundert hinein hatte Roßla fast ausschließlich landwirtschaftliche Strukturen, wenn auch einige Handwerker vorhanden waren, die sich bereits 1708 in Innungen organisiert hatten. 1852 gründete Graf Karl-Martin am damaligen westlichen Dorfrand eine Zuckerfabrik, die mehrfach erweitert, ab 1896 in genossenschaftlichem Betrieb geführt wurde.

Größere und mittlere Industriebetriebe sowie Betriebe der Lebensmittelindustrie wurden im Zuge der deutschen Einheit geschlossen oder umprofiliert. Ein bis 1989 bedeutender Wirtschaftsfaktor des Ortes war die Landwirtschaft in mehreren Produktionsrichtungen.

Gegenwärtig hat Roßla 2.405 Einwohner. Obwohl Dorf, besitzt Roßla durchaus kleinstädtische Züge. In den letzten 5 Jahren haben sich in Roßla neben einer Anzahl kleinerer Handwerksbetriebe auch größere Unternehmen etabliert. Insgesamt 10 Allgemein-, Zahn-, Frauen- und Tierärzte sorgen für eine ausreichende gesundheitliche Betreuung.

Des weiteren verfügt der Ort über eine Rettungswache, eine Apotheke, eine Physiotherapie, ein Orthopädisches Fachgeschäft, eine Bibliothek, einen DRK-Seniorentreff und einen Freizeittreff für Frauen sowie einen Jugendclub. An der Grund- und Sekundarschule werden derzeit 305 Schüler unterrichtet. Die Schule erhielt eine neue Turnhalle und bald einen eigenen Sportplatz.

Das Freibad Kiesgrube bietet mit seinem großzügigen Freigelände, zwei Volleyballfeldern, Tischtennisbereich und zahlreichen Spielgeräten sowie einem Grillplatz sehr gute Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.

Der Tourismus ist auch an Roßla nicht vorbeigegangen. Eine kleine Pension wurde eröffnet und auch Privatzimmer werden für Übernachtungen angeboten. Die sich in der Nähe befindlichen Ausflugsziele und touristischen Attraktionen sind von Roßla aus gut und schnell zu erreichen. Vom Ort aus, etwa 3 km in nördlicher Richtung, wurde im vergangenen Jahr der kleine Park- und Rastplatz "Roter Kopf" angelegt.

Wilhelmstr. 4
06536 Südharz OT Roßla

Telefon (034651) 3890
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Homepage: www.rossla-suedharz.de
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